Teil 5 der Pentalogie
Kressenfeld – Der lange Weg zurück
Warum es beim Kressenweg um weit mehr geht als um ein einzelnes Bauvorhaben
Fünfter und letzter Teil der UBB-Serie
(UBB-15.07.2026) - Nach vier Beiträgen über den Bauturbo, den gesetzlichen Zweck, die Entwicklung seit dem Bürgerentscheid und die rechtlichen Fragen zum aktuellen Verfahren bleibt am Ende eine grundsätzliche Erkenntnis:
Beim Kressenfeld geht es längst nicht mehr nur um ein einzelnes Bauvorhaben.
Es geht um die Frage, wie kommunale Planung funktioniert, welchen Stellenwert Bürgerbeteiligung besitzt und wie verlässlich politische Entscheidungen und Argumentationen bleiben.
Eine Geschichte über fast anderthalb Jahrzehnte
Der aktuelle Bauantrag am Kressenweg ist kein isoliertes Ereignis.
Er ist das vorläufige Ende einer Entwicklung, die bereits vor vielen Jahren begonnen hat.
2012 lehnten die Bürgerinnen und Bürger Bischofswiesens die Ausweisung eines größeren Baugebietes am Kressenfeld mit deutlicher Mehrheit ab.
2016 entstanden durch die Innenbereichssatzung Meisllehen auf bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen fünf neue Baugrundstücke.
2017 lehnte der Gemeinderat einen weiteren Bauantrag ausdrücklich mit der Begründung ab, andernfalls müsse mit weiteren Bauanträgen im Außenbereich gerechnet werden.
2026 wird erstmals der Bauturbo auf ein Grundstück in diesem Bereich angewendet.
Jedes dieser Ereignisse ist zwar für sich zu betrachten, doch zusammen genommen erzählen sie eine politische Geschichte die Begünstigungen von CSU-Kreisen durchaus vermuten lassen.
Bürgerentscheide leben von Vertrauen
Ein Bürgerentscheid ist mehr als ein formaler Verwaltungsakt.
Er ist Ausdruck eines demokratischen Willens.
Selbst wenn seine unmittelbare rechtliche Bindungswirkung endet, bleibt seine politische Brisanz bestehen. Der Bürgerentscheid Kressenfeld erlangte durchaus kommunalgeschichtliche Bedeutung.
Deshalb erwarten viele Bürgerinnen und Bürger, dass die damals geäußerten Anliegen auch Jahre später noch ernst genommen werden.
Nicht weil sich nichts verändern darf.
Sondern weil Veränderungen nachvollziehbar begründet werden müssen.
Planung braucht Verlässlichkeit
Die UBB hat in den vergangenen Monaten nie behauptet, dass sich eine Gemeinde nicht weiterentwickeln dürfe.
Im Gegenteil.
Jede Gemeinde muss auf neue Herausforderungen reagieren.
Doch gerade deshalb braucht es klare Leitlinien.
Beim Kressenweg entstand für viele Bürger der Eindruck, dass über den ersten Anwendungsfall des Bauturbos entschieden wurde, bevor die angekündigten Leitlinien überhaupt beschlossen waren. Dieser Eindruck trügt nicht.
Eine solche Reihenfolge schafft Unsicherheit.
Spielregeln sollten zuerst festgelegt werden – und erst danach über Einzelfälle entscheiden.
Mehr Transparenz schafft mehr Akzeptanz
Auch der Umgang mit den Entscheidungsgrundlagen hat Fragen aufgeworfen.
Während der öffentlichen Bauausschusssitzung wurden Präsentationsfolien gezeigt, die den Mitgliedern des Bauausschusses zur Erläuterung des Bauturbos dienten.
Ein Gemeinderatsmitglied, das nicht dem Bauausschuss angehörte, erhielt diese Unterlagen trotz Nachfrage nicht.
Unabhängig von der rechtlichen Bewertung zeigt dieser Vorgang, wie wichtig Transparenz für das Vertrauen in kommunale Entscheidungen ist.
Je nachvollziehbarer Entscheidungsprozesse sind, desto größer ist ihre Akzeptanz.
Die eigentliche Herausforderung
Der Bauturbo wurde eingeführt, um den Kommunen bei der Schaffung von Wohnraum zu helfen.
Die entscheidende Zukunftsfrage lautet deshalb nicht allein:
Wo kann gebaut werden?
Sie lautet vielmehr:
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Welcher Wohnraum wird tatsächlich benötigt?
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Wie kann bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden?
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Wie lassen sich Innenentwicklung und Flächensparen miteinander verbinden?
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Und wie können Natur, Landschaft und Ortsbild dauerhaft erhalten werden?
Diese Fragen werden Bischofswiesen weit über den aktuellen Einzelfall hinaus beschäftigen.
Eine Chance für einen neuen Dialog
Vielleicht liegt gerade darin auch eine Chance.
Die Diskussion um das Kressenfeld hat gezeigt, wie groß das Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung ihrer Gemeinde ist.
Dieses Interesse sollte nicht als Hindernis verstanden werden.
Es ist eine Stärke unserer kommunalen Demokratie.
Wo Bürger mitdenken, nachfragen und sich engagieren, entstehen häufig bessere Lösungen.
Unser Fazit
Die UBB wird sich auch künftig für eine transparente, nachvollziehbare und verlässliche Kommunalpolitik einsetzen.
Wir stehen für:
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den sparsamen Umgang mit Grund und Boden,
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für die Einhaltung unserer Rechtsstaatlichkeit,
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den Schutz des Außenbereichs,
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die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum,
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nachvollziehbare Planungsentscheidungen,
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frühzeitige Bürgerbeteiligung
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und gleiche Maßstäbe für alle - ohne politische Vorteilsgewährung.
Denn das Kressenfeld ist mehr als ein Grundstück.
Es steht beispielhaft für die Frage, wie wir unsere Heimat in den kommenden Jahrzehnten gestalten wollen und wie es möglich sein wird, wieder eine "saubere" Politik zu bekommen.
Diese Entscheidung betrifft nicht nur die heutige Generation.
Sie prägt das Gesicht Bischofswiesens weit über unsere Zeit hinaus.
