Klimaschutz in den Alpen ernst nehmen – Verantwortung vor Ort wahrnehmen
Position der UBB Bischofswiesen
Die Alpen zählen zu den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen Europas. Steigende Temperaturen, schwindende Schneesicherheit, veränderte Wasserregime und zunehmende Extremereignisse sind längst Realität – auch im Berchtesgadener Land und in Bischofswiesen.
Der Status Quo:
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Doppelt so schneller Temperaturanstieg: Während die globale Durchschnittstemperatur seit der vorindustriellen Zeit um etwa 1,1 °C bis 1,2 °C gestiegen ist, verzeichnet der Alpenraum einen Anstieg von rund 2 °C bis 2,5 °C. Damit erwärmen sich die Alpen etwa doppelt so schnell wie der Rest der Welt.
Das extreme Starkregenereignis im Jahr 2021 ist noch allen in Erinnerung. Es besteht allgemeiner Konsens, dass es Folge der Klimaveränderung war. Insgesamt kamen 180 Menschen in Deutschland ums Leben, vor allem im Ahrtal. In Berchtesgaden gab es leider ein Todesopfer. Die Kunsteisbahn am Königssee wurde zerstört, auch viele Infrastruktureinrichtungen in den Gemeinden unserer Region. Eigentlich sollte das Warnung genug sein.
Wirksamer Klimaschutz im Alpenraum bedeutet vor allem Schutz, Zurückhaltung, Flächensparen und eine konsequente Ausrichtung auf naturverträgliche Lösungen.
Alpen im Klimawandel: Schutz statt weiterer Belastung
Der Alpenraum erwärmt sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt. Dadurch geraten genau jene natürlichen Systeme unter Druck, die unsere Lebensgrundlagen sichern:
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Bergwälder verlieren ihre Schutz- und Speicherfunktion
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Fließgewässer werden ökologisch beeinträchtigt
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Böden, Moore und Auen als CO₂-Senken gehen verloren
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Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten schrumpfen
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Gletscherschwund: Die Alpen verlieren derzeit mehr Gletschereis als je zuvor; Schätzungen zufolge könnten bis 2100 bis zu 90 % der alpinen Gletscher verschwunden sein. Der Blaueisgletscher gehört bereits der Geschichte an.
Weitere technische Eingriffe und neue Erschließungen verschärfen die Klimafolgen, statt ihnen entgegenzuwirken.
Kommunale Verantwortung im Alpenraum
Gerade Gemeinden im Alpenraum tragen eine besondere Verantwortung. Entscheidungen zu Flächennutzung, Wasser, Energie und touristischer Infrastruktur wirken sich hier unmittelbarer und langfristiger aus als anderswo. Entwicklung muss sich deshalb an ökologischen Belastungsgrenzen orientieren – nicht an kurzfristigen Wachstumsinteressen.
Zentrale Forderungen der UBB für Bischofswiesen
Sanierung statt Erweiterung des Beschneiungsteichs am Götschen
Künstliche Beschneiung steht sinnbildlich für eine nicht mehr zeitgemäße Tourismusstrategie im Klimawandel. Sie bedeutet:
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hohen Wasser- und Energieverbrauch mit schädlichen
uswirkungen auf den Klimawandel -
massive Eingriffe in sensible Bergökosysteme
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eine wachsende Abhängigkeit von technisch erzeugtem
Schnee bei sinkender natürlicher Schneesicherheit
Die Erweiterung des Beschneiungsteichs am Götschen ist
ökologisch nicht vertretbar und langfristig nicht zukunfts-
fähig.
Stattdessen soll der bestehende Beschneiungsteich
saniert werden.
Flächensparen ernst nehmen – Ganghoferfeld und Oberkälberstein schützen
Fläche ist im Alpenraum ein besonders knappes Gut. Jede zusätzliche Versiegelung verschärft Hochwasserrisiken, zerstört Böden als CO₂-Speicher und zerschneidet wertvolle Lebensräume.
Die UBB spricht sich klar gegen weitere großflächige Neubauvorhaben im Außenbereich aus – insbesondere an folgenden Stellen:
Ganghoferfeld (Ortsteil Engedey)
Das Ganghoferfeld ist Teil eines sensiblen Biotopverbundes und war historisch Überschwemmungs- und Mäanderbereich der Ramsauer Ache.
Eine Bebauung würde:
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natürliche Retentionsflächen zerstören
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den Wasserhaushalt dauerhaft verändern
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Klima- und Hochwasserrisiken erhöhen
Aus Sicht der UBB ist eine Bebauung dieses Bereichs ökologisch und klimapolitisch nicht verantwortbar.
Oberkälberstein (Ortsteil Stanggaß)
Auch im Bereich Oberkälberstein würde eine weitere Bebauung:
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zusätzlichen Flächenverbrauch im alpinen Hangbereich verursachen
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neue Verkehrs- und Erschließungslasten schaffen
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die Landschaft dauerhaft zerschneiden
Hier zeigt sich exemplarisch: Innenentwicklung, Nachverdichtung und Nutzung bestehender Bausubstanz müssen Vorrang haben.
Klimaschutz beginnt beim Flächensparen.
Keine Genehmigung weiterer Kleinwasserkraftanlagen – Tristramschlucht erhalten
Kleinwasserkraft wird häufig als klimafreundlich dargestellt. Allerdings sehen die Fakten anders aus:
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sehr geringe Stromerträge
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kaum messbarer Beitrag zur Energiewende
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massive ökologische Schäden durch Querbauwerke, Restwasserstrecken und veränderte Sedimentdynamik
Die geplante Anlage in der Tristramschlucht würde einen besonders naturnahen und ökologisch wertvollen Gewässerabschnitt dauerhaft beeinträchtigen.
Der energetische Nutzen steht in keinem Verhältnis zum ökologischen Schaden.
Aus Sicht der UBB ist daher auf die Genehmigung weiterer Kleinwasserkraftanlagen konsequent zu verzichten.
Erneuerbare Energien stärken – Photovoltaik (PVA) konsequent ausbauen
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein zentraler Bestandteil des Klimaschutzes. Im Alpenraum kommt der Photovoltaik dabei eine besondere Rolle zu, da sie Strom erzeugt, ohne Fließgewässer, Böden oder sensible Naturräume zu zerstören.
Die UBB begrüßt ausdrücklich, dass sich die Gemeinde Bischofswiesen hier auf dem richtigen Weg befindet. Positive Beispiele sind die Dächer der neuen Mittelschule und des Feuerwehrhauses (Watzmann Natur Energie GmbH), die bereits mit Photovoltaikanlagen ausgestattet wurden.
Gleichzeitig gilt: Angesichts der Klimakrise müssen alle sinnvollen Potenziale deutlich stärker genutzt werden. Sonnenenergie ist unbegrenzt vorhanden. Die weitere Zusammenarbeit der Kommunen in der Watzmann Natur Energie GmbH muss vorangetrieben werden, zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung durch Energiegewinnung vor Ort.
Große Chance: Photovoltaik auf bestehenden Parkflächen
Ein besonders geeignetes Potenzial liegt in der Nutzung bereits versiegelter Flächen. Diese verursachen keinen zusätzlichen Flächenverbrauch und verbinden Klimaschutz mit Vernunft. Dazu sind Speicherkapazitäten zu schaffen, um temporäre Überproduktion sinnvoll zu nutzen.
Eine sehr gute Möglichkeit wäre die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Parkplatz des Aschauerweiherbades.
Ein solches Projekt würde:
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klimafreundlichen Strom lokal erzeugen
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bestehende Versiegelung sinnvoll doppelt nutzen
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ein sichtbares Vorzeigeprojekt für kommunalen Klimaschutz schaffen
Ein bewährtes Vorbild liefert die Gemeinde Schönau a. Königssee, wo am Parkplatz der Jennerbahn erfolgreich eine solche Anlage umgesetzt wurde. Der Bundeswehrparkplatz „Schwarze Erde“ in Strub verfügt über ähnliches Potential, dort wäre zunächst die Schaffung von Wohnraum für die Soldaten und das Zivilpersonal anzustreben. Auf dem Gebäude sollte dann ebenfalls eine PVA errichtet werden.
Klimaschutz braucht klare Grenzen – und klare Prioritäten
Nicht jede technische Lösung ist sinnvoll – und nicht jede Entwicklung ist zukunftsfähig.
Für die UBB bedeutet Klimaschutz:
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Schutz statt weiterer Erschließung
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Vorsorge statt nachträglicher Reparatur
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Verzicht auf ökologisch schädliche Projekte
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konsequenter Ausbau der Photovoltaik auf geeigneten Flächen
Bischofswiesen hat die Chance, diesen Weg bewusst zu gehen – für einen Alpenraum, der auch unter veränderten klimatischen Bedingungen lebenswert bleibt.
Die UBB setzt sich, oft gehen harte Widerstände, schon immer für den Klimaschutz in Bischofswiesen ein. Für die Bürger und vor allem für die Jugend werden wir diese Linie unbeirrt fortführen.

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