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Quelle: Berchtesgadener Anzeiger vom 19.02.2026:

https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land/bischofswiesen_artikel,-rita-poser-ubb-moechte-erste-rathauschefin-in-bischofswiesen-werden-gleichberechtigung-und-nachhaltig-_arid,982239.html

Rita Poser (UBB) möchte erste Rathauschefin in Bischofswiesen werden: Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit im Fokus

 

BISCHOFSWIESEN | Datum: 19.02.2026 12:00 Uhr CEST 

 

Bischofswiesen – Als Rita Poser die Liste der Bürgermeisterkandidaten von Bischofswiesen sah, musste sie nicht lange überlegen: Vier Männer und keine Frau. Dabei stellen sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung. In der Politik aber sind sie noch immer eine Randgruppe. Für die 75-Jährige war das der Moment, an dem aus einem Gedanken ein Entschluss wurde: Sie kandidiert für die Unabhängigen Bürger Bischofswiesen (UBB). Nicht nur, um selbst Verantwortung zu übernehmen, sondern um sichtbar zu machen, dass Politik keine Männerdomäne bleiben darf. »Strukturen ändern sich nur, wenn wir uns einmischen«, sagt Poser und freut sich, dass es sogar zwei Bürgermeisterkandidatinnen im benachbarten Berchtesgaden gibt.

Sichtbarkeit ist wichtig, aber am Ende zählt, wer überzeugende Konzepte hat und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, erklärt Poser und stellt während ihres Gesprächs mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« ihre Schwerpunkte für die Zukunft der Gemeinde vor. Im Mittelpunkt stehen Bildung, soziale Verantwortung, nachhaltige Ortsentwicklung und der Schutz von Natur und Landschaft. 

 

Ein zentrales Anliegen ist ihr die Stärkung von Bildung und Ausbildung. Das Handwerk soll durch gezielte Ausbildungsangebote gefördert werden, um Fachkräfte vor Ort zu sichern. Die Offene Ganztagsschule und die Musikschule sollen weiter ausgebaut und dauerhaft unterstützt werden. »Ich möchte erfolgreiche Projekte, wie den Schulgarten und das Brotbacken, die von UBB-Gemeinderat Sepp Stangassinger initiiert wurden, weiter ausbauen«, erklärt Poser. Zudem setzt die Kandidatin auf eine bessere Finanzierung des Breitensports sowie kreativer Fächer und des Schulsports, um Kinder und Jugendliche ganzheitlich zu fördern. 

 

Im Bereich Bauen und Wohnen spricht sie sich für die Aktivierung von Wohnungsleerständen und eine nachhaltige Wohnbauentwicklung aus. Das Wohnbauprojekt Burgergraben soll als Modell für eine aktive kommunale Wohnraumentwicklung dienen. 

 

Für die Ortsentwicklung legt die Kandidatin großen Wert auf Zusammenarbeit und Bürgerbeteiligung. Eine engere Kooperation der Talkesselgemeinden soll Verwaltungspotenziale effizienter nutzen. Das bestehende Rathaus soll erhalten und funktional weiterentwickelt werden. Bürgerinnen und Bürger sollen frühzeitig und transparent in Projekte mit großer Tragweite eingebunden werden. 

 

Im sozialen Bereich setzt sie auf ein respektvolles Miteinander und Wertschätzung aller Generationen. Einrichtungen wie »Felicitas« in der Stanggaß sollen dauerhaft erhalten bleiben, ebenso bezahlbare Pflegeangebote vor Ort. Das Augustinum soll als bezahlbares Senioren- und Pflegeheim gesichert werden. 

 

Ein weiteres Anliegen ist Poser die Verkehrssicherheit. In der Ortsdurchfahrt plädiert sie für Tempo 30 sowie sichere Querungshilfen für Fußgänger. Außerorts im gesamten Talkessel spricht sie sich zudem für 70 Stundenkilometer aus, um den Verkehr zu beruhigen und die Unfallgefahr zu reduzieren. Gerne möchte sie auch eine Parkraumbewirtschaftung am Aschauerweiher einführen. In einem Tourismusort ist es nicht nachvollziehbar, Parkplätze kostenlos anzubieten. »Man schenkt den Platz her und bleibt selber auf den Ausgaben sitzen«, so Poser. 

 

Und damit ist sie schon beim nächsten Thema – Tourismus und Umwelt – und hebt die Bedeutung von Natur und Landschaft als wichtigstes Kapital der Gemeinde hervor. Das Ortsbild soll bewahrt und die Heimat erhalten werden. Mehr Bäume im Ort sollen Gesundheit, Klima und Lebensqualität verbessern, gleichzeitig soll der Flächenverbrauch begrenzt werden. Landwirtschaftliche Flächen sollen gesichert werden, um die Existenzgrundlage kleinbäuerlicher Betriebe zu erhalten.

 

Abschließend legt Rita Poser, die vielen Bürgerinnen und Bürgern vor allem als Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz bekannt ist, ein besonderes Augenmerk auf den Naturschutz. Wasser bezeichnet sie als begrenzenden Faktor, weshalb Artenvielfalt und naturnahe Fließgewässer erhalten werden sollen. Eine weitere Zerstörung durch die Kiesgrube Grainswiesen lehnt sie ab – »der Schutz von Ort und Landschaft hat Vorrang«. Auch beim Thema Tourismus und Wintersport setzt die 75- Jährige auf Nachhaltigkeit. Deshalb möchte sie auch den Beschneiungsteich am Götschen nicht vergrößern, sondern im Bestand sanieren. Ein nachhaltiger Götschen bedeutet für Poser, mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen und Natur und Landschaft nicht weiter zu belasten. 

 

Ihr Engagement für Umwelt- und Naturschutz hat dabei auch biographische Wurzeln.
Schon früh in ihrem Berufsleben als junge Diplom-Chemikerin begann sie, ökologi-
sche Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen. Ein sogenanntes »Aha-Erlebnis« hatte
sie nach ihrem Studium an der Technischen Hochschule Merseburg. Sie arbeitete in
den Leuna-Werken, einem der größten Chemiekombinate der DDR und kam plötzlich
ins Grübeln, denn »damals wurden chemische Nebenprodukte, die oft hochgradig
umweltschädlich waren, einfach in Flüsse geleitet«. Dieses Schlüsselerlebnis prägte
ihren weiteren Weg nachhaltig: In den Jahren 1983/84 begann sie, sich intensiv mit
Umweltfragen auseinanderzusetzen. Diese Erfahrungen führten schließlich zu einer
beruflichen Neuorientierung – sie verließ die großen Chemiewerke und wechselte
zum Amt für Messwesen und Warenprüfung. Dort war sie im Bereich der Qualitäts-
prüfung von Lebensmitteln tätig. 

 

Ein einschneidendes Kapitel ihres Lebens waren die politischen Umbrüche in der
DDR. Noch im Oktober 1989, wenige Wochen vor dem Fall der Berliner Mauer, ver-
ließ sie mit ihrem damals 14-jährigen Sohn die DDR über Ungarn. »Es war eine mutige Entscheidung, aber wir wollten Freiheit und neue Perspektiven«, erinnert sie sich. Ihre neue Heimat fand sie im oberfränkischen Coburg, wo sie sich rasch integrierte und in einer kleinen Gemeinde als Umweltreferentin tätig wurde. In dieser Zeit fand sie auch zum Bund Naturschutz: Ab 1993 war sie die Kreisvorsitzende des BN Coburg. Über Deutschlands größten Umweltverband lernte sie 2003 ihren späteren Mann, Paul Grafwallner, bei einem Delegiertentreffen des BN in Berchtesgaden kennen, während einer Wanderung durch das Wimbachgries. Zwei Jahre später zog sie in die Heimat ihres Mannes und fand in Bischofswiesen nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch ein neues Betätigungsfeld. Sie konzentrierte sich zunehmend auf ehrenamtliche Arbeit beim Bund Naturschutz und brachte ihre politischen Erfahrungen mit: In Coburg war sie zuvor als Parteilose für die Grünen im Kreistag gesessen. Seit 2006 ist sie Mitglied der UBB und engagiert sich seither kommunalpolitisch vor Ort. Heute verbindet sie fachliche Erfahrung und ehrenamtliches Engagement – und will diese Erfahrung nun als Bürgermeisterin einbringen. cr 

Beim Wandern im Wimbachgries, wo sie Anfang der 2000er ihren Mann kennen-lernte fühlt sich Rita Poser der Natur besonders verbunden.

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