Bau-Turbo – ein Spekulations-Turbo
Mehr Tempo schafft keine bezahlbaren Wohnungen
(UBB 08.02.2026) - Der sogenannte „Bau-Turbo“ wird als Antwort auf Wohnraummangel verkauft. In Wirklichkeit aber ist er ein Spekulations-Turbo, wenn die Kommunen nicht entsprechend handeln. Schnellere Verfahren, weniger Prüfungen, mehr Abweichungen von bestehenden Planungen – all das soll den Wohnungsbau beschleunigen – der bezahlbare Wohnungsbau allerdings geht dabei ziemlich leer aus. Aus Sicht der UBB-Bischofswiesen greift dieser Ansatz jedoch zu kurz und birgt erhebliche Risiken für Natur, Demokratie und eine nachhaltige Ortsentwicklung.
Wohnungsnot lässt sich nicht durch Abbau von Schutzrechten lösen. Der Bau- Turbo setzt vor allem auf Neubau und Verfahrensbeschleunigung, ohne sicherzustellen, dass tatsächlich bezahlbarer Wohnraum entsteht. Erfahrungen zeigen: Schnell gebaut wird oft teuer – und nicht dort, wo der Bedarf sozial und räumlich am größten ist.
Flächenverbrauch, statt nachhaltiger Entwicklung und bezahlbare Wohnungen zu generieren. Die vorgesehenen Erleichterungen erhöhen den Druck, neue Bau-
flächen auszuweisen – häufig auf Kosten von
Grünflächen, Böden und Landschaft. Gerade
im sensiblen Alpenraum und in ländlichen Ge-
meinden wie Bischofswiesen ist Boden eine
endliche Ressource. Jede zusätzliche Versie-
gelung verschärft ökologische Probleme, schwächt die Klimaanpassung und mindert die Lebensqualität. Immerhin gibt die Bayerische Verfassung (Art. 161) zur Abschöpfung von Planungsgewinnen vor, Wertsteigerungen des Bodens, die ohne Arbeit oder Kapitalaufwand des Eigentümers entstehen (z. B. durch Umwidmung in Bauland), sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.
Schwächung kommunaler Planung und Bürgerbeteiligung. Bewährte Instrumente der Bauleitplanung drohen umgangen zu werden. Wenn von Bebauungsplänen leichter abgewichen werden kann, verlieren Gemeinden Steuerungsmöglichkeiten. Gleichzeitig werden Beteiligungs- und Mitwirkungsrechte (Bürgerbegehren und Bürgerentscheide) der Bürgerinnen und Bürger eingeschränkt – ein Rückschritt für die Zivilgesellschaft und kommunale Demokratie. Dass sich aber die Bischofswieser in bestimmten Fällen beteiligen möchten und was sie wollen hat der Bürgerentscheid „Kressenfeld“ im Jahr 2012 gezeigt, als die Umwandlung von Bauernland in Bauland mit großer Mehrheit abgelehnt wurde.
Klimaschutz wird ausgebremst statt gestärkt.
Der Gebäudesektor ist ein zentraler Hebel für den Klimaschutz. Ein Fokus auf schnellen Neubau ohne klare ökologische Leitplanken vergrößert jedoch die Klimabelastung. Notwendig wären stattdessen Sanierung, Umbau, Nachverdichtung und die Nutzung bestehender Gebäude – nicht der Griff zur grünen Wiese.
Unsere konkrete Forderung für die Gemeinde Bischofswiesen:
Die UBB-Bischofswiesen fordert einen verbindlichen Grundsatzbeschluss des Gemeinderates, der klar regelt:
Baugenehmigungen auf Grundlage des Bau-Turbos dürfen in Bischofswiesen nur dann erteilt werden, wenn eindeutig und rechtssicher gewährleistet ist, dass damit bezahlbarer Wohnraum für die einheimische Bevölkerung entsteht.
Konkret heißt das:
• keine Ferienwohnungen,
• keine Zweitwohnungen,
• kein spekulativer Wohnungsbau, sondern dauerhaft nutzbarer Wohnraum für die Allgemeinheit,
• der Gesetzgeber wird aufgefordert, nachträgliche Spekulationen zu unterbinden, die soziale Bindung von nur etwa 20 Jahren muss aufgehoben werden.
Der Bau-Turbo darf kein Einfallstor für zusätzliche Flächenversiegelung oder renditegetriebene Projekte sein. Wenn beschleunigte Verfahren zur Anwendung kommen, dann ganz im Sinne unserer Bayerischen Verfassung ausschließlich im öffentlichen Interesse – sozial gebunden, transparent und gemeinwohlorientiert – bezahlbar.
Unser Fazit: Die UBB-Bischofswiesen lehnt eine Bau-Turbo-Politik und Spekulations-Turbo-Politik nach dem Motto „schneller um jeden Preis“ ab. Wir setzen uns für eine soziale, ökologische und demokratisch legitimierte Ortsentwicklung ein. Bezahlbarer Wohnraum entsteht durch klare Regeln, kommunale Steuerung und konsequente Zweckbindung – nicht durch pauschale Sonderrechte für Investoren.
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Fällt das Ganghoferfeld dem Baut-Turbo zum Opfer?
