Ehemalige Kurklinik Stanggaß – drei Jahrzehnte Stillstand und offene Fragen
Neustart : Ziel preisgünstiges Wohnen
(UBB 27.01.2026) - Die Entwicklung der ehemaligen Kurklinik Stanggaß beschäftigt die Gemeinde Bischofswiesen seit Jahrzehnten. Was als Kurstandort begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem der umstrittensten Projekte der Ortsentwicklung. Eine Chronologie zeigt deutlich: Stillstand, wechselnde Konzepte und wachsende Zweifel prägen die Geschichte dieses Areals bis heute.
Von der Kurklinik zum Leerstand
Mit dem Inkrafttreten des Bebauungsplans
Nr. 31 im Jahr 1989 wurde das Gelände der
Kurklinik Stanggaß als Sondergebiet „Kurklinik“
festgesetzt. Nur wenige Jahre später, 1996,
wurde der Klinikbetrieb eingestellt. Seitdem
steht das Gebäude leer, begleitet von zuneh-
mendem baulichem Verfall. Im Jahr 2005 folgte
die 15. Änderung des Flächennutzungsplans.
Das Areal wurde nun als Sondergebiet für
„Wellness, Kurhotel und betreutes Wohnen“
ausgewiesen – verbunden mit der Hoffnung
auf eine neue Nutzungsperspektive.
Luxushotel als Leitidee
Ab 2014 / 2015 wurden erstmals konkrete Hotelprojekte im Gemeinderat vorgestellt. Diese Planungen setzten stark auf Synergien mit dem damaligen Projekt „Hotel Geiger“. Am 21. Juli 2015 beschloss der Gemeinderat die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 48 mit dem Ziel, ein Luxushotel bzw. Resort zu realisieren. Der Investor verpflichtete sich, die Planungskosten zu übernehmen.
Eine zentrale Grundlage dieser Planungen entfiel jedoch in den folgenden Jahren: 2017 wurde das Hotel-Geiger-Areal verkauft, und mit der Eröffnung des Kulturhofs Stanggaß im November 2021 war die ursprünglich angenommene Projektverknüpfung endgültig nicht mehr gegeben.
Wachsende Kritik und neue Realitäten
Im Jahr 2022 erreichte die Diskussion um die Kurklinik Stanggaß einen neuen Höhepunkt. Angesichts der sich zuspitzenden Wohnungsnot beantragten UBB und Bündnis 90/Die Grünen am 21. Juni 2022, den Aufstellungsbeschluss von 2015 aufzuheben und das Areal neu zu denken – mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Der Gemeinderat lehnte diesen Antrag am 23. Juni 2022 ab, setzte dem Investor jedoch eine Frist zur Vorlage eines Zeitplans, konkreter Unterlagen und eines Finanzierungsnachweises. In der öffentlichen Debatte wurden zunehmend Zweifel laut: am tatsächlichen Bedarf eines weiteren Luxushotels, an der Finanzierbarkeit und an der ungelösten Frage des Wohnraums für Arbeitskräfte.
Im Juli 2022 konkretisierte der Vertreter des Investors seine Pläne: ein sogenanntes „Alpines Dorf“ mit rund 120 Suiten, 5-Sterne-Niveau, Wellnessbereich und internationaler Ausrichtung. Im Oktober 2022 wurde ein neuer Zeitplan vorgestellt, der einen Baubeginn für 2024 / 2025 in Aussicht stellte.
Rechtliche Anpassungen und Vertrauensverlust
Im März 2023 wurde der Flächennutzungsplan erneut angepasst. Das Gebiet wurde nun als SO3 „Hotel Stanggaß“ ausgewiesen, der Umgriff wegen Umwelt- und Georisiken reduziert. Diese Anpassung änderte jedoch nichts an der grundsätzlichen Unsicherheit der Umsetzung.
Im Jahr 2024 verschärfte sich die Situation weiter. In einer öffentlichen Gemeinderatssitzung am 25. Juni 2024 wurden Hinweise auf mögliche Zahlungsprobleme des Projektträgers bekannt. Kurz darauf berichteten Medien über Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Investors, offene Forderungen regionaler Betriebe und erneut nicht eingehaltene Zeitpläne. Zwar bekannte sich der Investor Ende Juni nochmals öffentlich zum Projekt, doch die Vertrauensbasis war zu diesem Zeitpunkt bereits stark beschädigt.
Was diese Chronologie zeigt
Die Bilanz ist ernüchternd:
- Seit über 30 Jahren keine bauliche Umsetzung
- Wiederholte Planwechsel und Zeitverzögerungen
- Wegfall zentraler Projektgrundlagen
- Wachsende Zweifel an Finanzierung und Umsetzbarkeit
- Ein grundlegender politischer Konflikt: Luxushotel oder bezahlbarer Wohnraum
Fazit – Position der UBB
Die Entwicklung der ehemaligen Kurklinik Stanggaß steht exemplarisch für eine jahrelange Fehlentwicklung. Trotz wiederholter Ankündigungen und Planänderungen ist es bis heute nicht gelungen, eine verlässliche, umsetzungsreife Perspektive für das Areal aufzuzeigen. Zeitpläne sind verstrichen, Grundlagen entfallen und das Vertrauen in die Projektverantwortlichen ist zunehmend verloren gegangen.
Vor diesem Hintergrund fordert die Unabhängige Bürgervereinigung Bischofswiesen (UBB), den Aufstellungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 48 aufzuheben. Damit würde für das Grundstück wieder ausschließlich das Baurecht gemäß dem Bebauungsplan von 1989 (Sondergebiet Klinik) gelten. Diese Rückkehr zu einer klaren, rechtlich sauberen Ausgangslage ist aus Sicht der UBB notwendig, um weiteren Schaden von der Gemeinde abzuwenden.
Zudem lehnt die UBB den bisherigen Gesprächspartner ab. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre besteht aus Sicht der UBB keine tragfähige Vertrauensbasis mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit. Stattdessen spricht sich die UBB für direkte Gespräche mit dem tatsächlichen Eigentümer des Grundstücks aus, um eine neue, realistische Perspektive zu eröffnen.
Ziel muss eine Lösung sein, die den heutigen Bedürfnissen der Gemeinde gerecht wird. Aus Sicht der UBB ist dabei ein Modell anzustreben, das bezahlbaren Wohnraum schafft – für Einheimische, Beschäftigte und zukünftige Generationen. Auch interkommunale Lösungsansätze in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden oder öffentlichen Trägern sollten dabei ausdrücklich geprüft werden.
Die Kurklinik Stanggaß darf kein weiteres Beispiel für Stillstand, Spekulation und unrealistische Großprojekte werden. Sie bietet vielmehr die Chance, endlich eine Entwicklung einzuleiten, die sich konsequent am Gemeinwohl orientiert.
Chronologie – Ehemalige Kurklinik Stanggaß
Vorgeschichte
1989
Inkrafttreten Bebauungsplan Nr. 31
→ Sondergebiet „Kurklinik“
1996
Einstellung des Klinikbetriebs
Gebäude steht seither leer, zunehmender baulicher Verfall
2005
15. Änderung des Flächennutzungsplans
→ Sondergebiet „Wellness, Kurhotel und betreutes Wohnen“
Projektphase Luxushotel / Resort
2014–2015
21.01.2014 / 21.07.2015
Vorstellung erster Hotelprojekte im Gemeinderat
Betonung von Synergien mit dem damaligen Projekt „Hotel Geiger“
21.07.2015
Aufstellungsbeschluss für vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 48
→ Ziel: Luxushotel / Resort
→ Investor verpflichtet sich zur Kostenübernahme der Planung
2017–2021
2017
Verkauf des Hotel-Geiger-Areals an Bartl Wimmer
November 2021
Eröffnung „Kulturhof Stanggass“
→ Zentrale Grundlage der ursprünglichen Projektverknüpfung entfällt
Neuauflage & wachsende Kritik
2022
21.06.2022
Antrag von UBB & Bündnis 90/Die Grünen:
Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses von 2015
Ziel: bezahlbarer Wohnraum statt Luxushotel
23.06.2022
Gemeinderat lehnt Aufhebung ab
Setzt Frist bis Ende November 2022:
Vorlage Zeitplan
konkrete Unterlagen
Finanzierungsnachweis
01.07.2022
Öffentliche Debatte:
Massive Forderungen nach Wohnbebauung
Zweifel an Bedarf, Finanzierbarkeit und Arbeitskräftefrage
15.07.2022
Investor René Wilms konkretisiert Pläne:
„Alpines Dorf“ mit ca. 120 Suiten
5-Sterne-Resort
Tiefgarage, Wellness, internationale Zielgruppe
27.10.2022
Präsentation eines neuen Zeitplans im Gemeinderat:
Baubeginn prognostiziert für 2024/25
Bauzeit: 24–30 Monate
Erste Ordnungsmaßnahmen ab Dezember 2022
Rechtliche Neubewertung
2023
07.03.2023
Anpassung Flächennutzungsplan:
Gebiet künftig als SO3 „Hotel Stanggaß“
Reduzierung des Umgriffs wegen Umwelt- und Georisiken
Vertrauenskrise & neue Zweifel
2024
25.06.2024
Öffentliche Gemeinderatssitzung:
Hinweise auf mögliche Zahlungsprobleme des Projektträgers
Gemeinde kündigt „äußerste Vorsicht“ an
28.06.2024
Pressebericht:
Zweifel an Glaubwürdigkeit des Investors
Berichte über offene Forderungen regionaler Betriebe
Kritik an nicht eingehaltenen Zeitplänen
29.06.2024
Investor bekennt sich öffentlich zum Projekt:
Überarbeitetes Architektur- und Energiekonzept
Zusicherung transparenter Finanzierung
Ankündigung zeitnaher Vorstellung im Gemeinderat
Betonung nachhaltiger Planung

Leerstand und ohne Nutzung - ein Spekulationsobjekt?

