Die Selbstzerstörung des Tourismus ist eingeläutet
Die Alpen als Erlebnispark: Wenn Modernisierung zur Zerstörung wird
(UBB 28.01.2026) - Der bayerische Alpenraum steht am Scheideweg. Was unter dem Deckmantel der „Modernisierung“ und „Entbürokratisierung“ verkauft wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein gefährlicher Ausverkauf unserer letzten alpinen Rückzugsräume. Während der Klimawandel die Berge ohnehin unter Stress setzt, droht nun eine politische Weichenstellung, die Profitinteressen über den ökologischen Bestand und das Wohlbefinden der Mehrheit in unserer Gesellschaft stellt.
Der Angriff auf die Kontrollinstanzen
Das größte Warnsignal ist die schleichende Aufweichung der Umweltverträglichkeitsprüfungen. Wenn Infrastrukturprojekte – wie etwa Seilbahnen unter einer bestimmten Länge – künftig ohne tiefgreifende ökologische Prüfung durchgewinkt werden können, verlieren wir die einzige Bremse gegen den ungehemmten Ausbau. Transparenz wird hier der Bequemlichkeit der Investoren geopfert. Es ist ein fatales Signal, die Standards ausgerechnet in einem so sensiblen Ökosystem unserer Bergwelt zu senken. Intakte Umwelt ist für alle Menschen von Vorteil. Warum möchten die Regierenden in Bayern das nun opfern?
Subventionen für den Stillstand
Besonders kritisch ist die staatliche Förderpolitik zu hinterfragen. Dass Steuergelder noch immer in den Ausbau von Beschneiungsanlagen (Beispiel Götschen) und gigantischen Parkplatzflächen fließen, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Anstatt den notwendigen Strukturwandel hin zu einem sanften, ganzjährigen Qualitätstourismus zu forcieren, wird mit Millionenbeträgen versucht, ein Auslaufmodell künstlich am Leben zu erhalten. Wir finanzieren die ökologische Zerstörung unserer Heimat mit öffentlichem Geld. „Eine Schande“, wie wir von der UBB meinen.
Eventisierung statt Erholung
Die Berge laufen Gefahr, zum reinen „Funpark“ degradiert zu werden. Erlebnis-Inszenierungen auf den Gipfeln (Beispiel Jenner) und die zunehmende Zerschneidung der Landschaft durch neue Attraktionen verdrängen die eigentliche Qualität der Alpen: Stille, Wildnis und unberührte Natur. Wer die Berge nur noch als Kulisse für den schnellen Kick nutzt, entzieht den Regionen langfristig die Grundlage ihrer touristischen Existenzberechtigung. Die Staatsregierung sägt damit den touristischen Ast ab und viele Touristiker in Bayern finden das auch noch toll, obwohl sie selbst darauf sitzen.
Unsere heimatlichen Alpen: Heimat bewahren statt Identität verlieren
Der Massentourismus in unseren Bergen hat eine kritische Grenze erreicht. In der Hauptsaison sind viele von uns genervt, wenn die Autokolonnen wieder über den Hallthurmer Berg einfallen. Das Alpenforschungsinstitut (AFI) warnt in seinen Analysen zur Tourismusentwicklung eindringlich: Durch zunehmende Standardisierung drohen die bayerischen Alpen ihre Einzigartigkeit zu verlieren.
Was wir brauchen, ist kein „Höher, Schneller, Weiter, Mehr, Mehr, Mehr …“,
sondern eine nachhaltige Strategie, die unsere ökologischen Belas-
tungsgrenzen respektiert. Das Institut betont, dass wir die regionale
Wertschöpfung nur sichern können, wenn wir unsere Heimat nicht als
Event-Kulisse opfern, sondern auf resiliente und sanfte Erholung setzen.
Schützen wir, was uns ausmacht – bevor der Massenandrang unsere
Lebensqualität dauerhaft zerstört. Weniger ist mehr.
Ein Schutzwall aus Papier?
Instrumente wie der Alpenplan, die über Jahrzehnte die Erschließungswut gebändigt haben, dürfen nicht durch Ausnahmeregelungen und Interpretationsspielräume ausgehöhlt werden. Es braucht keinen „Modernisierungsschub“, der Beton in die Höhe treibt, sondern eine konsequente Besucherlenkung und den Schutz von Ruhezonen.
Die Alpen brauchen keine neuen Attraktionen. Sie brauchen eine Politik, die erkennt, dass ökologische Stabilität die einzige Versicherung für einen langfristig funktionierenden Lebensraum ist – für Einheimische und Gäste gleichermaßen, für alle Menschen.
Dafür möchte sich die UBB vor Ort und unsere Akteure auch in ganz Bayern einsetzen.

Massentourismus belastet viele Menschen

