Bürgerzentrum Bischofswiesen: Zeit für einen Kurswechsel
Warum der geplante Neubau kein Projekt für die Zukunft unserer Ortsmitte ist
(UBB 23.01.2026) -Seit fast einem Jahrzehnt beschäftigt das Thema „Bürgerzentrum“ Politik, Verwaltung und Bürgerschaft in Bischofswiesen. Was einst als Chance für eine lebendige Ortsmitte begann, ist heute – im Jahr 2026 – auf ein nüchternes Ziel zusammengeschrumpft: den Neubau eines reinen Verwaltungsgebäudes. Aus Sicht der UBB ist es höchste Zeit, die Entwicklung ehrlich zu bewerten und die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
Vom Bürgerzentrum zum Verwaltungsbau
Ursprünglich war das Bürgerzentrum als multifunktionaler Mittelpunkt gedacht: mit Bücherei, Tourist-Information, Sparkasse, Bürgersaal und Aufenthaltsqualität für Bürger und Gäste. Davon ist wenig geblieben. Die Sparkasse ist längst ausgestiegen, weitere öffentliche Nutzungen wurden aus Kostengründen gestrichen. Übrig geblieben ist ein Verwaltungsgebäude – teuer, groß dimensioniert und ohne erkennbaren Mehrwert für das gesellschaftliche Leben im Ort.
Damit stellt sich eine zentrale Frage neu: Braucht Bischofswiesen in Zeiten von Finanzknappheit, Digitalisierung und Homeoffice für diese Aufgabe wirklich einen Neubau an dieser Stelle?
Ein Bürgerentscheid – aber kein Blankoscheck
Der Bürgerentscheid vom 24. September 2017 war zweifellos ein Einschnitt. Mit äußerst knapper Mehrheit von rund 52 % stimmten die Bürgerinnen und Bürger für den Abriss des alten Rathauses von 1929. Dieses Ergebnis verdient Respekt – aber auch eine ehrliche Einordnung.
Gegenstand im Abstimmungsprozess war damals ein Bürgerzen-
trum mit breiter Nutzung, nicht ein reiner Verwaltungsbau mit Bau-
kosten in heute völlig anderer Größenordnung. Ein solch knapper
Entscheid kann und darf kein Freibrief für ein Projekt sein, das sich
in Inhalt, Umfang und Kosten grundlegend verändert hat. Zur Erin-
nerung: Im Vorfeld des Bürgerentscheids wurde von der Gemeinde
ein Informationsblatt mit stark manipulativem Inhalt verteilt. Da wur-
de beispielsweise ohne qualifizierten Nachweis behauptet, die Be-
standssanierung des alten Rathauses wäre nicht möglich. Fachex-
perten hatten das widerlegt.
Historische Identität unwiederbringlich verloren
Der Abriss des alten Rathauses im Jahr 2018 war aus Sicht der UBB ein schwerer Fehler. Das Gebäude war eines der wenigen ortsbildprägenden Zeugnisse der Gemeindeentwicklung, fast 100 Jahre alt, solide gebaut und grundsätzlich sanierungsfähig. Viele Fachstimmen – darunter Architekten und Stadtplaner – hatten den Erhalt ausdrücklich empfohlen.
Mit dem Abriss wurde nicht nur Bausubstanz vernichtet, sondern auch sogenannte „graue Energie“ – ein Aspekt, der heute angesichts von Klimakrise und Ressourcenknappheit aktueller ist denn je. Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Neubau, sondern beim Weiterbauen.
Kosten explodieren – Nutzen schrumpft
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
Bereits rund 830.000 Euro wurden für Planungen, Wettbewerbe, Abbruch, Übergangsrathaus und vorbereitende Maßnahmen ausgegeben. Die von der Verwaltung aktuell geschätzten Baukosten liegen bei rund 10,8 Millionen Euro, Ausstattungskosten nicht eingerechnet. Die tatsächlichen Baukosten werden weit darüber liegen. Staatliche Förderungen sind unsicher und bislang nicht bezifferbar.
Gleichzeitig wird das Projekt seit Jahren „redimensioniert“, Funktionen werden gestrichen, Zeitpläne verschoben. Bauausgaben sind aktuell nicht einmal bis 2028 veranschlagt. Das wirft eine einfache, aber unbequeme Frage auf: Warum an einem Projekt festhalten, dessen Rechtfertigung immer schwächer wird?
Das Übergangsrathaus hat sich bewährt
Was dabei oft ausgeblendet wird: Das sogenannte Übergangsrathaus funktioniert. Es hat seine Probezeit bestanden – für Mitarbeiter wie für Bürgerinnen und Bürger. Mit überschaubaren Anpassungen und einem funktionalen Anbau könnte es dauerhaft als Rathaus dienen.
Diese Lösung hätte klare Vorteile:
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Massive Kosteneinsparungen in hoher Millionenhöhe
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Erhalt eines offenen Platzes zwischen den beiden Kirchen
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Keine weitere Belastung des Ortsbildes
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Mehr Flexibilität für eine vernunftbezogene, schrittweise Ortsentwicklung
Ortsmitte braucht Qualität – keinen Beton
Prestigeprojekte für Bürgermeister- und Verwaltungsresidenzen sind aus der Zeit gefallen. Die UBB warnt seit Beginn der Planungen davor, die Entwicklung der Ortsmitte auf ein einzelnes Großprojekt zu verengen. Ein Bürgerzentrum auf engem Raum ersetzt keine ganzheitliche städtebauliche Vision. Was Bischofswiesen braucht, sind gut gestaltete Plätze, Aufenthaltsqualität, kleinteilige Nutzungen und echte Belebung – nicht einen weiteren neuen Verwaltungsbau, von dem die Bürger ohnehin keinen Vorteil ziehen.
Unser Fazit
Der Neubau des Bürgerzentrums ist kein zukunftsweisendes Projekt mehr. Er ist teuer, funktional verengt, ökologisch fragwürdig und städtebaulich riskant. Die Rahmenbedingungen haben sich seit 2017 grundlegend verändert – politisch, finanziell und gesellschaftlich.
Wir fordern daher:
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einen klaren Planungsstopp für den Neubau,
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die Anerkennung des Übergangsrathauses als dauerhaftes Rathaus,
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und eine offene, ehrliche Diskussion über eine nachhaltige Entwicklung der Ortsmitte – ohne Sachzwänge, ohne Denkverbote.
Bischofswiesen verdient Lösungen mit Augenmaß. Nicht jedes begonnene Projekt muss zu Ende gebaut werden. Manche brauchen den Mut zum Umdenken. Wir hoffen der neue Gemeinderat findet zu diesem Mut.

Das alte Rathaus ist inzwischen Geschichte

