Chronik St. Felicitas 2015–2026
Elf Jahre Versprechen, Planungen und offene Fragen
(UBB - 21.06.2026) - Die angekündigte Schließung des Alten- und Pflegeheims St. Felicitas zum Jahresende 2026 kam für viele Bürgerinnen und Bürger überraschend.
Ein Blick zurück zeigt jedoch, dass die Zukunft des Hauses seit mehr als einem Jahrzehnt Gegenstand öffentlicher Diskussionen ist.
2015 – Die große Bürgerbewegung
Im Frühjahr 2015 wird bekannt, dass die Zukunft von St. Felicitas gefährdet ist.
Die Reaktion der Bevölkerung ist überwältigend:
3.693 Bürgerinnen und Bürger unterstützen eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Hauses.
Bei der Übergabe der Unterschriften wird deutlich gemacht, dass notwendige bauliche Veränderungen unterstützt würden. Eine spätere Nutzungsänderung des Standortes wird jedoch ausdrücklich abgelehnt.
Monsignore Dr. Thomas Frauenlob spricht sich damals für den Erhalt des Hauses aus und schlägt ein Zukunftsmodell mit Tagespflege und betreutem Wohnen vor.
2016 – Neubau statt Sanierung
Die Caritas erklärt öffentlich, dass eine Sanierung nicht mehr verfolgt werde.
Stattdessen wird ein kompletter Neubau angekündigt.
Die Botschaft ist eindeutig:
St. Felicitas soll erhalten bleiben – allerdings an einem neuen Standort und in moderner Form.
2017 bis 2019 – Verzögerungen
Die Suche nach einem geeigneten Standort gestaltet sich schwierig.
Immer wieder werden verschiedene Varianten diskutiert.
Eine konkrete Umsetzung erfolgt jedoch nicht.
2020 – Der große Plan am Krankenhaus
Für das Gelände des ehemaligen Schwesternheims neben der Kreisklinik Berchtesgaden wird ein neues Pflegezentrum vorgestellt.
Geplant sind:
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zusätzliche Pflegeplätze
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ambulante Dienste,
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moderne Pflegeangebote.
Die Öffentlichkeit gewinnt den Eindruck, dass die Zukunft von St. Felicitas gesichert werden kann.
2021 – Pflegebedarf steigt
Die Situation auf dem Pflegemarkt verschärft sich.
Immer mehr Menschen suchen Pflegeplätze.
Gleichzeitig wird deutlich, dass Pflegepersonal zunehmend schwer zu finden ist.
2022 – Die offizielle Pflegebedarfsplanung
Der Kreistag beschließt die Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts mit Pflegebedarfsplanung.
Darin wird ausdrücklich festgehalten:
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Im südlichen Landkreis stehen 244 stationäre Pflegeplätze zur Verfügung.
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Davon entfallen 44 Plätze (18 %) auf St. Felicitas.
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Die vorhandenen Kapazitäten reichen bereits damals nicht mehr aus.
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FQA (früher Heimaufsicht) und Pflegestützpunkt berichten von Wartelisten und einer steigenden Nachfrage.
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Für St. Felicitas wird weiterhin ein Standortwechsel mit zusätzlichen Pflegeplätzen erwartet.
Die offizielle Planung geht somit nicht vom Wegfall des Hauses aus, sondern von einem Ausbau der Pflegekapazitäten.
2023 und 2024 – Weitere Planungen
Die Diskussion um einen Gesundheits- und Pflegecampus wird fortgeführt.
Der angekündigte Ersatz für St. Felicitas wird jedoch weiterhin nicht realisiert.
Frühjahr 2026 – Die Wende
Wenige Tage nach der Kommunalwahl wird die Schließung von St. Felicitas bekanntgegeben.
Der angekündigte Ersatzstandort existiert nicht.
Die zusätzlichen Pflegeplätze existieren nicht.
Die geplante Erweiterung der Kurzzeitpflege existiert nicht.
Die Folgen
Mit der Schließung gehen 44 Pflegeplätze verloren.
Das entspricht rund 18 Prozent aller stationären Pflegeplätze im südlichen Landkreis.
Nahezu jeder fünfte Pflegeplatz im Berchtesgadener Talkessel fällt damit weg.
Die offene Frage
Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob das Gebäude sanierungsbedürftig ist.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie konnte aus den Ankündigungen von 2015, den Neubauplänen von 2016, den Standortplanungen der Folgejahre und den Annahmen der Pflegebedarfsplanung letztlich die ersatzlose Schließung einer Einrichtung werden, deren Fortbestand über Jahre als selbstverständlich dargestellt wurde?
Diese Frage verdienen die Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Angehörigen, die Beschäftigten und die Bürgerinnen und Bürger des gesamten Berchtesgadener Talkessels beantwortet.
