St. Felicitas: Vom versprochenen Neubau zur Schließung
(UBB 21.06.2026) - Die angekündigte Schließung des Altenheims St. Felicitas hat viele Menschen im Berchtesgadener Talkessel tief getroffen. Besonders betroffen sind die Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Angehörigen und die Beschäftigten. Doch die aktuelle Entwicklung wirft auch grundsätzliche politische Fragen auf.
Bereits im Jahr 2015 stand St. Felicitas vor einer ungewissen Zukunft. Damals engagierten sich 3.693 Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt des Hauses. Das entspricht rund 15 Prozent der Bevölkerung der Talkesselgemeinden. Bei der Übergabe der Unterschriften wurde deutlich gemacht, dass notwendige bauliche Veränderungen unterstützt würden, eine spätere Nutzungsänderung des Standortes jedoch nicht akzeptiert werden könne. Damals setzte sich auch Monsignore Dr. Thomas Frauenlob ausdrücklich für den Erhalt des Hauses ein und regte an, St. Felicitas zu einem Modellprojekt mit Tagespflege und betreutem Wohnen weiterzuentwickeln. Heute, elf Jahre später, droht das endgültige Aus.
Fast jeder fünfte Pflegeplatz im südlichen Landkreis betroffen
Besonders bemerkenswert ist dabei die Bedeutung von St. Felicitas für die Pflegeversorgung des südlichen Landkreises. Nach der vom Kreistag beschlossenen Pflegebedarfsplanung standen dort zuletzt lediglich 244 stationäre Pflegeplätze zur Verfügung. Davon entfielen allein 44 Plätze auf St. Felicitas in Bischofswiesen.
Einrichtung Anzahl Pflegeplätze
Bürgerheim Berchtesgaden 44
St. Felicitas Bischofswiesen 44
Lebenswelt Insula Bischofswiesen 156
Gesamt südlicher Landkreis 244
Quelle: Fortschreibung des Senorenpolitischen Gesamtkonzepts mit Teilhabeplanung für den Landkreis BGL - Oktober 2021
Mit der Schließung von St. Felicitas gehen damit rund 18 Prozent der stationären Pflegekapazitäten im südlichen Landkreis verloren.
Anders formuliert:
Nahezu jeder fünfte Pflegeplatz im Berchtesgadener Talkessel fällt weg.
Dabei hatte die Pflegebedarfsplanung bereits 2021 / 2022 festgestellt, dass die vorhandenen Pflegeplätze den Bedarf nicht mehr decken und Wartelisten bestehen.
Die offizielle Planung ging von einem Ausbau aus
In der Pflegebedarfsplanung des Landkreises wurde ausdrücklich festgehalten, dass für St. Felicitas ein Standortwechsel nach Berchtesgaden geplant sei und dabei sogar zusätzliche Pflegeplätze entstehen könnten. Auch ein Ausbau der Kurzzeitpflege wurde erwartet.
Die offizielle Planung ging also gerade nicht davon aus, dass St. Felicitas verschwindet.
Vielmehr wurde mit zusätzlichen Kapazitäten gerechnet.
Heute stehen wir vor der gegenteiligen Entwicklung:
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Der angekündigte Ersatzstandort existiert nicht.
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Die zusätzlichen Pflegeplätze existieren nicht.
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Die geplante Erweiterung der Kurzzeitpflege existiert nicht.
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Stattdessen fallen 44 bestehende Pflegeplätze weg.
Offene Fragen
Wenn bereits 2022 ein zusätzlicher Bedarf an Pflegeplätzen festgestellt wurde und gleichzeitig ein Ersatzstandort für St. Felicitas vorgesehen war, stellt sich die Frage:
Wie konnte aus einem angekündigten Ausbau der Pflegeversorgung letztlich die ersatzlose Schließung einer Einrichtung mit 44 Pflegeplätzen werden?
Ebenso stellt sich die Frage:
Wer trägt die Verantwortung dafür, dass aus den Ankündigungen seit 2015, den Neubauplänen und den Erwartungen der Pflegebedarfsplanung letztlich keine einzige zusätzliche Pflegeeinrichtung entstanden ist?
Forderungen der UBB
Die UBB fordert deshalb:
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vollständige Transparenz über die Entwicklung seit 2015,
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Offenlegung der Gründe für das Scheitern des angekündigten Ersatzstandortes,
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den dauerhaften Erhalt der sozialen Zweckbestimmung des Areals St. Felicitas,
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die unverzügliche Aufnahme von Gesprächen mit der Caritas und weiteren möglichen Trägern über eine künftige soziale Nutzung des Standortes,
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die Prüfung planungsrechtlicher Maßnahmen (z. B. Veränderungssperre) gegen eine unerwünschte Nutzungsänderung,
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sowie ein neues Pflege- und Versorgungskonzept für den gesamten Berchtesgadener Talkessel.
Die UBB ist der Auffassung, dass die Zukunft des Standortes St. Felicitas nicht allein dem Immobilienmarkt überlassen werden darf. Angesichts des bereits heute bestehenden Mangels an Pflegeplätzen und der demografischen Entwicklung muss alles unternommen werden, um den Standort dauerhaft für soziale und pflegerische Zwecke zu sichern.
Mehr Pflegeplätze statt weniger
Die demografische Entwicklung wartet nicht auf politische Versäumnisse. Der Landkreis selbst hat bereits vor Jahren einen steigenden Bedarf an Pflegeplätzen festgestellt. Gleichzeitig wurde offiziell mit einem Ausbau der Kapazitäten gerechnet.
Die Schließung von St. Felicitas ohne gleichwertigen Ersatz würde daher nicht nur eine Einrichtung betreffen, sondern die Pflegeversorgung des gesamten Talkessels schwächen.
Aus dem versprochenen Neubau ist bislang keine einzige zusätzliche Pflegeeinrichtung entstanden. Stattdessen droht nun der Verlust von nahezu jedem fünften Pflegeplatz im südlichen Landkreis.
Der Berchtesgadener Talkessel braucht mehr Pflegeplätze – nicht weniger.
Nachstehend der Inhalt eines Leserbriefs von Mitarbeitenden von St. Felicitas, der in unserer Lokalzeitung nicht veröffentlicht wurde, allerdings in den sozialen Medien Verbreitung fand:
Zitat:
"als wir vor 11 Jahren, im März 2015, schon einmal vor der Schließung unseres Hauses standen, durften wir von Seiten der Bevölkerung, einiger Kommunalpolitiker und der Kirche sehr viel Unterstützung erfahren und es wurde uns immer wieder bestätigt, wie wichtig unser Haus für den gesamten Talkessel sei.
(Nochmals vielen Dank an alle Unterstützer von damals).
Damals wurde erst zugesichert, die „Felicitas" zu renovieren, Als sich dieses aus verschiedenen Gründen nicht realisieren ließ, wurden wir auf einen Neubau vertröstet.
Auch hier war unsererseits die Freude groß, und die Hoffnung stieg.
Die Aussicht auf einen Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Schwesternheims wäre für uns alle eine sehr gute Option gewesen, Nähe und Anbindung an das damals noch bestehende Krankenhaus, Busanbindung nach Berchtesgaden, Ortsnähe und vor Allem, mitten im Talkessel.
Jetzt nach einer fast 10 Jährigen Hinhaltetaktik von immer wiederkehrenden, wie sich ja jetzt herausstellt, haltlosen Updates, stehen wir vor dem endgültigen „AUS".
Von Seiten der Caritas und der wirtschaftlichen Situation durchaus verständlich (auch wenn es vielleicht andere Lösungen gegeben hätte).
Aber wie geht es jetzt im Talkessel weiter?
Nurmehr zwei Altenheime mit einer begrenzten Anzahl der zur Versorgung Pflegebedürftiger Plätze stehen gegen eine ständig wachsende Zahl der älteren Bürger.
Noch stehen der Großteil der „BabyBoomer" im Erwerbsleben, In spätesten 10 bis 20 Jahren ist ein Teil dieser selbst pflegebedürftig.
Das betrifft auch die Lage der Pflegekräfte, die Babyboomer gehen nach und nach in Rente. Ohne Aussichten auf bezahlbaren! Wohnraum wird sich die Lage im Talkessel nicht verändern und auch die verbleibenden Altenheime werden kein Personal mehr finden.
Vielleicht wird das auch in der Politik einmal überdacht, auch ihr (und eure Angehörigen) werden älter und benötigt vielleicht einmal Hilfe und müsst dann im hohen Alter umziehen (wer weiß wohin!). Auf gut gemeinte (Trostes)Worte müssen jetzt Taten folgen, damit unsere Senioren aus dem Talkessel ihren Lebensabend weiterhin in der geliebten Heimat verbringen können.
Für uns ändert sich nun nichts mehr. Unsere Bewohner verlieren ihr (bis dahin geglaubtes letztes)
Zuhause, für viele der letzte Halt.
Die Ära „Felicitas" ist beendet, somit auch die von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern geschätzte familiäre Atmosphäre auf die wir immer stolz waren und die die „Felicitas" ausgezeichnet hat."

Foto KI generiert
